Nach wie vor diskutieren die EU-Finanzminister, wie sie Griechenland mit einem weiteren milliardenschweren Hilfspaket vor der Staatspleite bewahren können.
Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand der MLP-Tochter Feri Finance, erklärt, wie sich die aktuelle Situation auf die Finanzmärkte auswirkt und wie Anleger ihre Depot wetterfest machen können.
MLP: Herr Rapp, wie schätzen Sie die aktuelle Situation bei der Staatsschuldenkrise Griechenlands ein?
Heinz-Werner Rapp: Wir erleben derzeit leider ein sehr schlechtes politisches Management, bei dem Politiker und Institutionen nicht an einem Strang ziehen, sondern unabgestimmt und mit unterschiedlichem Zungenschlag reden. Dadurch besteht ein hohes Risiko, dass die Märkte kurzfristig revoltieren und es daraufhin zu spürbaren Verwerfungen kommt. Zwar sind die Chancen für weitere Rettungspakete zugunsten Griechenlands hoch. Sollte man sich jedoch nicht darauf einigen, dürften die nächsten Wochen sehr unruhig werden.
MLP: Welche Möglichkeiten gibt es, um die Staatsschuldenkrise Griechenlands anzugehen und die Situation zu entschärfen?
Rapp: Erstens könnte man die Laufzeiten der bestehenden Anleihen verlängern, um damit mehr Zeit zu gewinnen. Das wäre aber nur ein erster Schritt, dem noch weitere folgen müssten. Auch dieser Schritt setzt bereits deutliche Zugeständnisse der Investoren voraus.
Zweitens käme eine Umschuldung über den so genanntem Haircut in Frage, bei der zum Beispiel nur 70 Prozent des Nominalwertes zurückgezahlt werden. Es ist allerdings eine Illusion zu glauben, dass alle Gläubiger zu einer diskutierten freiwilligen Umschuldung bereit sein werden. Rechtlich wird dies von den Ratingagenturen als Zahlungsausfall eingestuft, und das hat weitreichende Konsequenzen: Unbeabsichtigt könnte so die Staatspleite Griechenlands ausgelöst werden mit ähnlichen Folgen für die Finanzmärkte wie die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers. ...
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Juni 2011